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Wölli und die Band des Jahres - Das ist noch nicht alles

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Wölli und die Band des Jahres
Das ist noch nicht alles
JKP / Warner
12 Tracks | 45:58 Min.

Gut 15 Jahre saß Wölli, der eigentlich auf den Namen Wolfgang Rohde getauft wurde, hinter der Schießbude bei Germaniens größter Punkrockband "Die Toten Hosen". 15 Jahre in denen er unzählige Shows spielte und nicht zuletzt mehrere Millionen Platten verkaufte. Bis zu jenem schicksalhaten Tag im Mai 2000, als er durch einen schweren Verkehrsunfall, bei dem fast jeder Knochen seiner rechten Körperhälfte gebrochen wurde und er zwei Tage im Koma lag, auf dem Höhepunkt seiner Karriere knallhart aus seinem bisherigen Leben gerissen wurde. Er musste seine Drumsticks an den Nagel hängen und engagierte sich fortan mit seinem Label "Goldene Zeiten" für junge aufstrebende Künstler. 11 Jahre später kribbelt es Wölli nun aber offensichtlich wieder so sehr, dass er die Songs, die sich über das letzte Jahrzehnt angesammelt haben, endlich aufgenommen und veröffentlicht hat. Herausgekommen ist ein abwechslungsreiches (Punk-) Rockalbum, dem man vom ersten Takt an anmerkt, wie wichtig es Wölli war, diese Songs zu veröffentlichen. Das merkt man vor allem den durchweg sehr privaten Texten an, in denen Wölli seine aktuelle Lebenssituation meist mit einem gewissen Augenzwinkern reflektiert.  Beispiel gefällig? "Ich hab einen Bypass und einen Herzschrittmacher, ich hab die dritten Zähne und auch die sind meistens locker, der Blutdruck ist ok und der Zucker zuckt noch immer, der Blick ist klar und ich fühl mich wunderbar." Die textliche Seite ist auch die ganz große Stärke dieser Platte, denn sie sind lyrisch so gelungen ausgefallen, dass man sich als Zuhörer verdammt gut in die beschriebenen Situationen versetzen kann und auf einer sehr emotionalen Weise angesprochen wird. Natürlich klingen an einigen Stellen die Hosen deutlich durch, was durch Wöllis Vergangenheit und die Tatsache, dass die alten Bandkumpels bei vielen Songs im Studio mitgewirkt haben. Hosige Nummern wie das eben rezitierte "Ich fühl mich wunderbar" oder die mit Campino intonierte Single "Alles nochmal von vorn" treffen auf contrybeeinflusstes Material wie "Weil es dich gibt" und teilweise Songs wie "Kein Grund zur Traurigkeit", denen man sogar eine Gewisse BR1-Kompatibilität nachsagen kann. Damit liefert Wölli eine Bandbreite ab, wie sie mit den Hosen niemals denkbar gewesen wäre. Da auch die Produktion nicht besonders hart ausgefallen ist, sondern mehr Wert auf Transparenz und Klarheit gelegt wurde, traue ich es der Platte tatsächlich zu, Genre- und Generationen-übergreifend akzeptiert zu werden. Für mich eine erfreuliche Überraschung, die mit der Hoffnung auf weiteres Material nach der laufenden Tour verbunden ist. 8,0 Punkte.   

Tracklist: 

  1. Mein wildes Herz
  2. Ich fühl mich wunderbar
  3. Alles noch mal von vorn
  4. Weil es dich gibt
  5. Mich kriegt ihr nie
  6. Kein Grund zur Traurigkeit
  7. Der Mann hinter dem Schlagzeug
  8. Nummer 1
  9. Two Drunken Drummers
  10. Ich liebe das Leben
  11. Blick nach vorn
  12. Nicht zu besiegen
Last modified on Montag, 16 Januar 2012 15:58
Ingo

Begeisterter Fotograf, Grafiker, Webdesigner und Filmer.
Hobbys: Musik, gute Bücher, Kino & Video, Biken, Tischtennis bei Greuther Fürth,...

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