Alles anders
Mit dem fünften Album melden sich die US-Modern-Metaler Trivium eindrucksvoll zurück. Das Stück Edelmetall hört auf den Namen "In Waves" und soll die Band einen weiteren großen Schritt in Richtung Metal-Olymp bringen. Im kurzen Smalltalk mit Frontmann und Gitarrist Matthew Heafy konnte Ingo dem Chef der Band einige interessante Details zum audiovisuellen Gesamtkonzept entlocken.
Hey Matt! Wie geht's Dir?
Nachdem wir nun endlich mit der neuen Platte soweit fertig sind, geht es mir natürlich prächtig.
Das kann ich mir vorstellen, vor allem nachdem das Album ein echter Kracher geworden ist. Allein schon die premasterte Version, die mir gerade vorliegt, kickt mich extrem!
Nicht nur Dich - wir haben die Scheibe bei uns auch in der Dauerrotation. Normalerweise sieht das bei uns eher so aus, daß wir von dem Material nach den Sessions erst einmal genug haben, doch diesmal kommen wir gar nicht davon los.
Interessanter Weise schafft Ihr auf "In Waves" das Kunststück, gleichzeitig deutlich melodischer und härter zu werden. Normalerweise werden Band mit den Jahren eigentlich ruhiger und melodischer, um mehr Fans zu erreichen. Wie kam diese Entwicklung zustande?
Wir haben uns darüber absolut keine Gedanken gemacht. Wir sind einfach ins Studio gegangen und haben das aufgenommen, was in der Zeit aus uns herausgesprudelt ist. Wir hatten eine Menge Ideen für tolle Melodien im Gepäck und haben diese zuerst ausgearbeitet. Daß die Songs im Durchschnitt ziemlich heavy ausgefallen sind, haben wir in der ganzen Arbeitswut kaum mitbekommen. Die Aufnahmen gingen uns diesmal auch sehr schnell von der Hand, so daß eigentlich gar keine Zeit war, sich darüber groß Gedanken zu machen.
Mit dem neuen Album habt Ihr ja nicht nur Musik geschrieben, sondern ein Gesamtkonzept aufgestellt, das sich durch die Musik, die Texte, das Artwork, Videoclips und nicht zuletzt durch die bevorstehenden Liveshows ziehen soll. Da ich außer der Musik bislang noch nichts zu sehen bekommen habe, würde mich natürlich interessieren, wie dieses Konzept aufgebaut ist.
Wir wollten die Grenzen dessen, was im Metal machbar ist, ein wenig erweitern. Alle Bands bringen Alben heraus, spielen live und machen eventuell mal ein Konzeptalbum. Wir wollten, daß das Ganze wirklich wie aus einem Guß wird. Wir haben die letzten zwei Jahre allein an der Musik zum Album gearbeitet und mit der Arbeit an den Visuals sind wir seit immerhin einem Jahr beschäftigt. So langsam nimmt das aber alles wirklich sehr interessante Formen an. Wir haben nun sogar einen eigenen Kostümdesigner engagiert, der sich um unsere Stageklamotten kümmert, denn die müssen ja optisch auch mit dem Rest harmonieren. Danach haben wir ein Musikvideo aufgenommen, das die optischen Trademarks weiterspinnt und wenn alles gut geht werden wir den gesamten Zyklus mit einer ordentlichen Live-DVD abschließen. Als Vorgabe haben wir uns das genommen, was wir selbst als Fans toll finden würden, was wir gerne sehen würden.
Wie werdet Ihr die Sachen dann in Eure Live-Shows integrieren? Ein gern genutztes Mittel sind aktuell ja überdimensionale LED-Wände...
Darüber sind wir uns noch nicht ganz im klaren. Fest steht bislang nur, daß wir die optischen Trademarks des CD-Covers genauso transportieren werden, wie die Elemente aus den Videos. Ob wir dazu auf LED-Wände oder Projektionen zurückgreifen werden oder das Ganze vielleicht komplett anders aufziehen werden, dazu kann ich aktuell leider noch nichts Definitives sagen. Daran arbeiten wir noch.
Als Bonus packt Ihr dem neuen Album eine DVD bei, die Euch bei einer Live-Session in einem Drugstore in Eurer Heimatstadt Orlando zeigt. Wie kommt man denn auf die Idee, in einem Shopping-Center aufzutreten?
Das hat denselben Hintergrund wie auch das Albumkonzept. Jede Band macht immer das Gleiche. Es werden immer irgendwelche Konzerte aufgenommen, die Kamerablickwinkel sind immer die selben und so weiter. Das finden wir ziemlich langweilig und so haben wir uns dazu entschieden, auch hier einen neuen Weg zu gehen. Die Kameraeinstellungen die dabei entstanden sind, sind definitiv vollkommen ungewohnt. Dazu ist die Aufnahme komplett unbearbeitet auf die DVD gewandert, ohne jegliche Korrekturen, weil wir den Leuten einen realistischen Eindruck von dieser Liveshow vermitteln wollten. Wir wollten unbedingt eine Live-DVD beilegen, doch auch das wollten wir eben etwas anders angehen als üblich.
Die erste Liveshow in Deutschland zum neuen Album wird dann in Wacken sein. Werdet Ihr hier schon das angekündigte Setup dabei haben?
Nein, das wäre noch zu früh. In dem Festival-Zylus spielen wir zum ersten Mal in Wacken und ich denke das wird die bislang größte Show unserer Karriere - und das obwohl wir ein paar Tage danach für Maiden im Webley-Stadion eröffnen dürfen. Wir werden hier sicher schon ein paar neue Songs spielen, uns aber vorwiegend auf das ältere Material konzentrieren. Außerdem wollen wir uns ja noch einige Überraschungen für unsere Tour im Herbst aufheben.
Bei den gebuchten Venues ist mir aufgefallen, daß es sich durchweg um recht große Hallen wie das Zenith in München, in das man entspannt 6.000 Besucher bringt, gebucht wurden. Beeindruckend, wie groß Euer Popularitätssprung seit dem letzten Album ausgefallen ist.
Nun, das liegt daran, daß wir die Tour zusammen mit In Flames spielen - allein schon wegen den Schweden brauchen wir große Hallen. :-) Dazu kommen noch Rise To Remain und eine australische Band namens Infect. Wir sind sehr froh, daß wir diesmal die großen Hallen spielen können, weil das genau das ist, was wir immer erreichen wollten. Als ich als Kid Metallica-Shows gesehen habe, dacht ich mir immer, daß ich genau das auch erreichen will. Von außen sieht die Entwicklung vielleicht recht schnell aus, doch das ist alles das Ergebnis sehr langer und harter Arbeit - immerhin gibt es uns ja schon seit 1999.
In den Staaten seid Ihr in diesem Jahr ja im Rahmen der Mayhem-Tour mit zig Bands wie Machine Head & Co. unterwegs. Was gefällt Dir persönlich besser: Auf einer so großen Tour mit so vielen Bands zu sein, mit den anderen Musikern abzuhängen und zu feiern oder selbst der Headliner auf der eigenen Tour zu sein mit allen Vorzügen, die das mit sich bringt, wie größeres Setup, längere Playtime usw.?
Ich genieße beides. Auf den größeren Touren steht man natürlich auch in entsprechend großen Hallen mit wesentlich mehr Zuschauern. Auch der Spaß mit den anderen Musikern ist nicht zu verachten. Dagegen macht es natürlich auch Spaß, selbst der Mainact zu sein und sich nicht nach anderen richten zu müssen. Unterm Strich ist beides gleich wichtig für uns, weshalb wir auch weiter versuchen werden, beide Arten von Konzertreisen unter einen Hut zu bringen.
Du erwähntest, daß Ihr mit Maiden spielen würdet, auch in Wacken spielen ja Judas Priest nach Euch. Ist es für Euch schwierig vor solchen Legenden aufzutreten oder gibt Euch das vielleicht sogar einen zusätzlichen Kick?
Ganz ehrlich? Das ändert eigentlich absolut nichts daran, wie wir uns vor oder während eines Gigs fühlen. Wir haben in der Vergangenheit ja auch schon für Maiden eröffnet - das sind ganz normale Gigs, die wir natürlich als Chance sehen, mehr Fans von uns und unserer Musik zu begeistern. Generell gehen wir immer sehr gut vorbereitet in unsere Shows, warum sollten wir also nervös sein?
Band-Homepage: www.trivium.org
Interview & Text: Ingo